|
Erlebnis einer Reise nach Ostsachsen

In der Woche vor Palmsonntag nutzten 50 Mitglieder und Freunde der CDU Swisttal deren Betreuungsangebot und fuhren mit dem Reiseleiter Franz Moderow nach Ostsachsen. Bautzen, die über tausend Jahre alte Stadt Budysin, die Stadt der Sorben, der Türme, des Senfes und auch zweier Gefängnisse, das Zentrum der Oberlausitz war das Ziel.
Nach langer Anfahrt über die A 4, die dem uralten Ost-West Handelsweg folgt, zugleich Jakobsweg und Königsstraße: die via reggia, erschien am Horizont die Silhouette der 16 Türme von St. Petri übers Rathaus zu den Wehrtürmen und bis zur Wasserkunst.
Der mittelalterliche Sechsstädtebund der Region, zu dem neben Bautzen auch die Lessingstadt Kamenz und die Stadt Löbau gehörten, förderte den sicheren Handel und brachte den Gewinn, der heute noch an den Kirchen, Rat-, Handels- und Bürgerhäusern abgelesen werden kann.
Bautzen hat die Kriegszüge der Hussiten, den 30jährigen Krieg, die Preussen, Napoleon, die beinahe letzte Schlacht im 2. Weltkrieg und gerade so die DDR überlebt. Nur die schnelle Wiedervereinigung rettete die verfallene und bereits für den Abriss frei gegebene Altstadt. Die Stadtführer sprachen dankbar von einem Wunder.
Bautzen hat seit 800 Jahren eine zentrale Wasserversorgung. In einem Schein-Wehrturm, der "Wasserkunst", treibt ein Wasserrad ein Schöpf- und Pumpwerk, welches das Spreewasser 40m hebt und in die Stadt verteilt.
Der Dom St. Petri ist die älteste Simultankirche überhaupt und gleichzeitig Kathedrale des Bistums Meißen. Im Jahre 1524, als von den bereits 10.000 Einwohnern alle bis auf 34 zum neuen Glauben übertraten, wurde die Kirche für beide Konfessionen freigegeben. Zunächst durch eine dichte Bretterwand getrennt, jetzt ein niederer Zaun mit offenen Pforten, wird seit fast 500 Jahren Ökumene vorgelebt - immer im Verhältnis ein Drittel zu zwei Drittel.
Bedrückend dagegen ist die Gefängnisgeschichte der Stadt. Im Jahre 1904 wurde das sächsische Landeszuchthaus für 1.200 Insassen gebaut, dazu gab es das großzügige Untersuchungsgefängnis des Gerichtes. Die Nazis füllten beide Anstalten rasch mit Kommunisten, Sozialdemokraten, später auch mit Widerständlern und rassisch Verfolgten, oft als Zwischenstation zu den Konzentrationslagern. Die Sowjets nutzten den Raum zur Unterbringung von bis zu 8.000 Nazis, Werwölfen, Uniformträgern - oft unschuldige Opfer oder mit geringer Schuld belastet, aber meist zu 25 Jahren oder gar nicht verurteilt mit dem Ziel: absitzen, zu sterben an den unerträglichen Zuständen oder nach Sibirien abtransportiert zu werden.
Danach übernahm die DDR, die Stasi, und führte in menschenverachtender Weise fort, was die Geheime Staatspolizei im 3. Reich begonnen hatte. Die im STASI-Knast gezeigten Zeugnisse sprechen für sich und sind bedrückend. Die Vorstellung, dass Leiter und Bewacher in Bautzen in friedlicher Ruhe ihre Rente verzehren ist fast noch schlimmer.
Die Brüdergemeine Herrnhut mit der Schauwerkstatt "Weihnachtssternproduktion", das Städtchen Weißenberg mit dem letzten erfolgreichen Gegenangriff der Wehrmacht auf die Rote Armee und dem heute bestenden Pfefferküchlereimuseum sowie Wilthen, die Stadt im Oberlausitzer Bergland mit der fast größten Weinbrennerei in unserem Land, überall mit dem gern angenommenen Fabrikverkauf, waren weitere Besichtigungsziele.
Ein Schwerpunkt der Reise war das nähere Kennenlernen der Sorben, jenes slawischen Volksstammes. der etwa 700 n.Chr. von Osten in das Sumpfgebiet Spreewald einwanderte, sesshaft wurde, die im Jahre 1002 beschriebene Stammesburg Budusin schuf, durch geschickte Integration in die spätere deutsche Mehrheitsbevölkerung seine völkische, sprachliche und kulturelle Integrität erhalten hat und heute den sächsischen Ministerpräsidenten stellt. Zentrum von heute noch 60.000 Sorben ist das zweisprachige Bautzen mit Umgebung, dort gibt es zweisprachige Schulen, das Museum, Lokale, das Theater; dort werden die volkstümlichen Feste gefeiert wie Vogelhochzeit und Osterritt. Das geistige Zentrum der Sorben ist die Zisterzienserinnen-Abtei Sank Marienstern bei der Stadt Kamenz. Seit über 750 Jahren leben die Schwestern nach der Regel des heiligen Benedikt "Ora et Labora" (Bete und arbeite). Überleben und Unabhängigkeit in der DDR wurde durch die Aufnahme und Pflege behinderter Kinder gewährleistet, die nun fortgeführt wird. Klosterkirche und Klosterschatz konnten dort besichtigt werden.
Das traditionelle politische Abendgespräch war ein herausragendes Ereignis. Nach einer allgemeinen Begrüßung und dem Überblick über Leistungen, Probleme und Aussichten des Großen Landkreises Bautzen durch den Landrat Michael Harig, der mit seiner Gattin gekommen war, sprach Maria Michalk zu uns. Sie verkörpert das Sorbentum wie keine Zweite, ist Mitglied des Deutschen Bundestages, Mitglied im Bundesvorstand der CDU, Vorsitzende des Sorbenrates, stv. Kreisvorsitzende der CDU, Mutter von 3 Kindern und... und ein Sympathieträger unserer Partei, wie man ihn nicht oft findet. Nach 2 Stunden wurden Vortrag und Diskussion abgebrochen und unser Gast mit anhaltendem Beifall verabschiedet.
Der kulturelle Höhepunkt war der Besuch der komischen Operette "Candide" von Leonard Bernstein im Theater Görlitz. Die sehr modernistische, bis in die heutige Zeit reichende Vorstellung des Regieführenden fand nicht immer die Zustimmung aller Gäste. Insgesamt aber waren Musik und Interpreten ohne Tadel und das Amüsement der überwiegenden Anzahl der Besucher deutlich sichtbar.
Abschluss der Reise war der Besuch der Stadt und Burg Stolpen, der Verteidigungsfestung gegen Angriffe der Hussiten aus dem Königreich Böhmen. Ihr Interesse und ihren Charme erhält sie aber durch die Tatsache, dass die Reichsgräfin Cosel, einst mächtige Favoritin am Hofe von August dem Starken, dort 49 Jahre gefangen gehalten und nun begraben liegt.
Wir aber freuen uns auf das Rückreisetreffen, das uns am 17. Juni zur Bilderschau, zur Rückschau und Planung der nächsten Reise um 19:00 Uhr beim "Büb" in Odendorf zusammenführt.
Franz Moderow
In unserer Bildergalerie können Sie die
wichtigsten Stationen der Reise nachvollziehen.
|